Kurze Antwort
Der Camino Portugués ab Tui sind 115 km in 5-6 Etappen. Der zweitmeist gepilgerte (30 % der Pilger) und der kürzeste, der zur Compostela berechtigt. Sanfte Etappen, viel Schatten, galicische Küche. Reales Budget: 250-400 € komplett. Ideal für den ersten Camino oder für Menschen ohne 30 Tage Urlaub.
Jedes Jahr starten mehr als 100.000 Pilger ihren Camino in Tui. Kein Zufall: hier tritt der Portugués genau in Galicien ein, hat die für die Compostela erforderlichen 100 km und passt in knapp 5 Tage. Wenn du keinen Monat Urlaub hast oder es dein erster Camino ist, ist das wahrscheinlich die beste Route überhaupt.
Ich lebe in Pontevedra, direkt an dieser Route, und ich beobachte seit zwei Jahren jede Woche Pilger kommen und gehen. Dieser Guide ist das, was ich einem Freund vor dem Start erzählen würde.
Warum ab Tui (und nicht woanders)
Es gibt drei Optionen für den Portugués als Teilstrecke:
- Ab Porto (240 km, 12-13 Etappen): die komplette. Schön, aber verlangt 2 Wochen, und die portugiesischen Etappen sind asphaltierter, mit weniger Schatten.
- Ab Tui (115 km, 5-6 Etappen): der Sweet Spot. Die für die Compostela nötigen 100 km mit Puffer, die gesamte Strecke in Galicien (grüne Landschaft, Steindörfer, gutes Essen), und machbar in einer Urlaubswoche.
- Ab Vigo (100 km, 4 Etappen): knapp am Minimum. Du sparst 15 km, verpasst aber den Grenzübergang und die romanische Kathedrale von Tui.
Tui gewinnt deutlich. Der Aufbruch an der Kathedrale Santa María, die Überquerung der internationalen Brücke über den Miño und der erste Tag durch den Wald von Rebordáns bei Sonnenaufgang — das sind Momente, für die es sich lohnt, einen Tag früher loszugehen.
Die 5 Etappen: km für km
Etappe 1 — Tui → Porriño (16 km)
Leichter Auftakt. Man verlässt die Kathedrale von Tui, durchquert den Wald von Rebordáns (eines der schönsten Stücke des ganzen Portugués — Farne, jahrhundertealte Kastanien, ein Bach). Ab Ribadelouro beginnt das industrielle Umfeld von O Porriño, der hässliche Teil dieser Etappe — aber es gibt eine Alternative über Orbenlle, die über Felder führt und das Industriegebiet umgeht.
Essen/Schlafen: städtische Herberge in O Porriño (10 €, 50 Betten), oder Albergue Camino Portugués (14 €). Abendessen im Mesón A Rúa.
Wasser: Brunnen in Ribadelouro und Orbenlle. Mit vollen 1 L starten.
Etappe 2 — Porriño → Redondela (16 km)
Aufstieg zum Berg Cornedo (300 m), dann Abstieg nach Mos und Vilar de Infesta. In Mos muss man an der Kapelle Santa Eulalia anhalten. Meist Erdweg, mit Blick über das Louro-Tal. Redondela erscheint von oben, das Meer im Hintergrund — der erste Blick auf die Ria, sehr emotional.
Essen/Schlafen: Albergue Redondela (städtisch, 10 €). Abendessen: Tintenfisch in der Taberna Vella.
Wasser: Brunnen in Mos und in Redondela selbst (Fonte da Peixaría). Vorsicht im Sommer — die nächste Etappe hat einen langen Abschnitt ohne Brunnen.
Etappe 3 — Redondela → Pontevedra (20 km)
Die längste Etappe, aber eine der schönsten. Vorbei an Arcade (Pflichtstopp für Austern aus dem Verdugo — die besten Galiciens, kein Marketing), Ponte Sampaio (die Römerbrücke, wo galicische Guerillas 1809 Napoleon besiegten), und der Einzug in Pontevedra über die Alameda.
Essen/Schlafen: viele Optionen in Pontevedra. Städtische Herberge (am Lérez-Fluss, 10 €) oder private Alternativen für 15-20 €. Tapas-Abendessen an der Praza da Verdura.
Wasser: gute Brunnen in Arcade und an der Alameda von Pontevedra. Im Sommer Vorsicht zwischen Ponte Sampaio und Arcade — wenig Schatten.
Etappe 4 — Pontevedra → Caldas de Reis (21 km)
Aufbruch durch das Viertel Santa Clara, Durchquerung der Pinienwälder von A Portela und Ankunft in Caldas de Reis — einer Thermalstadt mit heilendem Wasser. Kostenloses Fußbad am Brunnen Las Burgas gegen deine Blasen, nach 20 km sehr empfehlenswert.
Essen/Schlafen: Albergue Caldas (städtisch, 10 €). Restaurante O Peirao für das Abendessen.
Wasser: Brunnen in A Portela, Ponte Cabaleiros und Caldas. Im August 1,5 L Reserve mitnehmen.
Etappe 5 — Caldas de Reis → Padrón (18 km)
Vorletzte Etappe. Sanft, viel Schatten. Vorbei an Valga und Pontecesures. Die Ankunft in Padrón ist geschichtsträchtig — hier soll der Legende nach der Leichnam des Apostels angelandet sein. Fußbad am Espolón del Sar.
Essen/Schlafen: Albergue Padrón (städtisch, 10 €). Pflicht-Abendessen: Padrón-Paprika (manche scharf, manche nicht) und Tintenfisch à la feira.
Etappe 6 — Padrón → Santiago (25 km)
Die Königsetappe. Vorbei an A Escravitude (Wallfahrtskirche aus dem 17. Jh.), Faramello und Milladoiro, mit allgegenwärtigen gelben Pfeilen. Der Einzug in Santiago erfolgt von Süden, durch das Viertel Vidán, und man erreicht die Praza do Obradoiro aus einer weniger touristischen Perspektive als der Francés.
Die Compostela: wird im Pilgerbüro (rúa Carretas 33) beantragt. Warteschlange von 30 Minuten bis 2 Stunden je nach Uhrzeit und Saison. Bring deinen Pilgerpass mit mindestens zwei Stempeln pro Tag.
Reales Budget 2026
| Posten | Knapp | Bequem | Komfort |
|---|---|---|---|
| Unterkunft × 5 Nächte | 50 € (Herberge) | 100 € (privat) | 250 € (Landhotel) |
| Essen × 6 Tage | 90 € (Pilgermenü) | 150 € | 250 € |
| Transport nach Tui + zurück ab Santiago | 60 € (Bus) | 80 € | 120 € |
| Extras (Compostela, Tapas, Rucksack) | 40 € | 70 € | 100 € |
| GESAMT | 240 € | 400 € | 720 € |
Zahlen für 2026, normale Saison. Karwoche und August: +30 %. Im Heiligen Jahr 2027: Unterkunft +20-40 %.
Was du mitnehmen solltest (Essenzielles + Geldspar-Tipps)
- Eingelaufene Stiefel — mindestens 100 km gelaufen vor dem Start
- Rucksack 30-40 L — 50+ brauchst du nicht für 6 Tage
- Leichter Schlafsack-Inlett — Pflicht in Herbergen
- Regenjacke — ja, auch im Sommer. Galicien ist Galicien.
- Filterflasche — spart dir 15-25 € an Flaschenwasser über die 6 Tage. Galicische Dorfbrunnen sind nicht immer geprüft — mit Filter trinkst du aus jedem. Ein 0,2-μm-Hohlfaser-Filter wie GoPure deckt die gesamte Strecke ab und hält Jahre.
- Compeed und Blasenpflege — ohne Blasen in Santiago anzukommen ist mehr Sport als Camino
- Pilgerpass (Credencial) — kaufst du in der Kathedrale von Tui (5 €) am Abreisetag
Wann gehen
Beste Monate:
- April, Mai, Juni — 15-22 °C, grüne Felder, wenig Regen
- September, Oktober — 18-24 °C, weniger Pilger, neuer Wein in den Tavernen
Vermeiden wenn möglich:
- August — 28-35 °C, volle Herbergen, hohe Preise
- Januar-Februar — viele Herbergen geschlossen
- Karwoche — Pilger-Peak, 3× normale Dichte
Häufige Fragen
Kann man ihn mit Kindern gehen?
Ja, es ist der familienfreundlichste Camino. Etappen von 15-20 km, fast alles asphaltiert oder fester Erdweg (keine technischen Pfade), und private Herbergen, die Familien aufnehmen. Empfohlen ab 8-9 Jahren.
Muss man Herbergen reservieren?
In Neben- und Zwischensaison (März-Mai, September-Oktober) nicht nötig — du kommst an und findest Platz. Im Juni-August und im Heiligen Jahr 2027 private Herbergen vorab buchen (Booking oder direkt per WhatsApp). Städtische Herbergen akzeptieren keine Buchungen — vor 15:00 Uhr ankommen, um im Sommer einen Platz zu garantieren.
Kann man ihn mit dem Rad machen?
Ja, und beliebt. Mit dem Rad 2-3 Tage. Achtung: Entlang der N-550-Landstraße ist unangenehm — besser die Spirituelle Variante (über Vilanova de Arousa) für den Abschnitt Pontevedra → Padrón nutzen.
Wie schwer sollte der Rucksack sein?
10 %-Regel: nicht mehr als 10 % deines Körpergewichts. Für eine 70-kg-Person maximal 7 kg. Bei mehr schmerzt jeder km. Die meisten Einsteiger tragen zu viel — sie bereuen es ab Etappe 2.
Und das Wasser? Kann man aus den Brunnen trinken?
Städtische Brunnen sind geprüft (schau nach dem Schild "agua potable"). Dorfbrunnen und Kreuzungen nicht immer — ehrliche Empfehlung: Filter oder Flaschenwasser kaufen. In Galicien 2026 gibt es noch viele Brunnen ohne regelmäßige Analyse.
Der Vorteil des Portugués gegenüber dem Francés
- Kürzer — 5-6 Tage vs 30 Tage für den kompletten Francés
- Weniger Pilger — 100.000 pro Jahr vs 200.000 auf dem Francés
- Mehr Schatten — atlantische Wälder vs offene Meseta
- Besseres Essen — ohne Kastilien zu nahe zu treten, die galicische Küche gewinnt bei den Zutaten
- Gleiche Compostela — mit den 100 km ab Tui bekommst du sie genauso wie mit 800 km ab Roncesvalles
Es ist nicht so, dass der Francés schlechter wäre — der Portugués ab Tui ist einfach die rationalere Wahl für jemanden mit wenig Zeit oder einen Camino-Einsteiger. Viele Pilger machen erst den Portugués und Jahre später den kompletten Francés mit mehr Erfahrung.
Fazit
Der Portugués ab Tui ist ein perfekter Camino für 80 % der Menschen, die sich fragen "ich würde gerne den Camino machen, aber welchen?". Kurz, sicher, kulinarisch, grün. Und mit der Compostela am Ende genauso wie jeder andere.
Buen Camino.

